„Hier werde ich verwelken!“, dachte ich nach meinem Vorstellungsgespräch. Wie man das so macht, hatte ich mich für einen karriereträchtigen Job in meiner Branche als Landschaftsökologin beworben. Aber die Vorstellung, in einem Hochhaus in der Großstadt unter Neonlichtröhren arbeiten zu müssen, verursachte mir Grauen. In dem Moment wusste ich: Ich werde einen Schritt wagen, für den mich alle für verrückt halten werden!
Inhalt
Wie sah mein Leben als Landschaftsökologin aus?
Ich muss zugeben, es hat mir richtig Freude gemacht! Ich war in einem spannenden Projekt halbtags eingestellt und die andere Zeit freiberuflich unterwegs. Ich habe an verschiedenen Projekten mitgearbeitet, u.a. einem ökologischen Reiseführer, bei Naturlehrpfaden, habe mich in die Naturpädagogik eingearbeitet und viel Neues gelernt.
Doch all meine Aufträge und auch mein Job waren projektbezogen. Irgendwann endeten die Projekte und ich musste mich jedes mal nach neuen umsehen. Das war für meine Nerven nicht besonders gut. Und von verschiedenen Seiten wurde mir geraten, mir doch „eine vernünftige Arbeit“ zu suchen.
Nach und nach regten sich in mir auch Gedanken und Gefühle, dass das nicht alles sein konnte. In mir war noch so viel, das auch gelebt und in die Welt gebracht werden wollte. Aber ich hörte nicht darauf, es galt erst mal, für die Rente vorzusorgen…
Der Moment, in dem ich wusste: Ich verlasse alle Sicherheiten!
Für mein Vorstellungsgespräch hatte ich mir superchicke Sachen gekauft. Ich wusste, das wird eine seriöse Sache. Wenn ich den Job bekäme, wäre ich abgesichert. Doch schon als ich mit dem Fahrstuhl immer höher und höher fuhr, hatte ich ein seltsames Gefühl. Würde ich mich hier wirklich wohlfühlen? Konnte ich mir vorstellen, hier fast jeden Tag meines Lebens zu verbringen?
Im Vorstellungsgespräch wurde ich von einem Herrn aus der Runde enthusiastisch gefragt: „Was ist denn Ihre Leidenschaft in der Geoinformatik?“ In diesem Moment wurde mir mit einem Donnerknall bewusst, dass ich der Geoinformatik überhaupt keine Leidenschaft entgegenbrachte. Und ich wollte auch nicht nur Luftbilder auswerten, sondern draußen mit der Vegetation arbeiten. Tageslicht statt Neonröhren. Natur statt Computer. Hier würde ich innerlich langsam sterben.
Das alles wurde mir innerhalb von Bruchteilen bewusst. Ich hatte Leidenschaften! Jede Menge sogar! Aber nicht für diesen Job. Ich brachte das Vorstellungsgespräch irgendwie hinter mich. Als ich wieder mit dem Fahrstuhl nach unten fuhr, wurde mir mit jeder Etage leichter ums Herz.
Und in mir flüsterte mein Herz mir einen Plan zu, der sich ungeheuer anhörte. Es würde nicht einfach werden, das war mir klar. Aber es würde mich letztens Endes glücklich machen. Und mein Herz jubelte.
Der Plan? Weg vom Gedanken eines 9to5-Jobs. Einer Arbeit, die mir zwar Sicherheit schenkt, mich aber nicht erfüllt. Kein Nachjagen nach der nächsten projektbezogenen Anstellung mehr. Sondern: Ein Brotjob, halbtags, um meine Miete zu bezahlen. Und den Rest der Zeit? Endlich freiberuflich als Geomantin, Musikerin und Künstlerin arbeiten. Selbstbestimmt, mit Arbeitszeiten, die zu mir passen. Mit all meiner Leidenschaft. Sicherheiten ade…
Durchhaltevermögen ist gefragt: Ich starte als Künstlerin, Musikerin und geomantische Hausberaterin
Ist es nicht interessant, dass ich schon vor meinem Studium eigentlich etwas mit Kunst, Musik und Geomantie machen wollte? Mir aber alle davon abrieten, weil es da keine Jobs gibt und man von Kunst eh nicht leben kann… Jetzt hatte es mich eingeholt und ich wagte den Schritt „back to the roots“!
2017 ist das Jahr, in dem meine Webseite online ging, ich mit meinem Angebot zur geomantischen Hausberaterin startete (Geomantie = unser westliches Feng Shui) und meinen ersten öffentlichen Auftritt mit eigenen Songs bei „Nümbrecht im Lesefieber“ hatte.
Mein Brotjob bezahlte mir die Miete und die Grundberdürfnisse. Ich will es nicht schön reden – große Sprünge konnte ich finanziell nicht machen. Ich lebte auf Sparflamme. Und arbeitete oft bis weit in die Nacht. Aber meine Lebensqualität stieg um 100 Prozent! Ich wohnte in einer kleinen Hobbithöhle auf einem Berg auf dem Land. Dort fühlte ich mich wie im Auenland und brauchte einfach nicht viel. Ich lernte die Landschaft und die Wälder um mich herum kennen und wurde so wild und frei, dass ich manchmal das Gefühl hatte, dass ich mich erst schütteln musste, bevor ich wieder zu einem menschlichen Wesen wurde.
Dabei lernte ich mich so tief kennen. Und meine Familie und Freunde sahen, wie glücklich ich war und wie ich aufblühte. Ich glaube, sie haben mich alle für verrückt gehalten, dass ich diesen unsicheren Weg gewählt hatte. Aber es kam immer mehr Akzeptanz und Unterstützung, was mir Rückenwind gab. Die Aufträge für geomantische Hausreinigungen und Auftritte nahmen zu und das Leben war schön.
Bis Corona kam. Nie war ich dankbarer für meinen Brotjob, denn alle anderen Aufträge waren von heute auf morgen weg. Diese zwei Jahre sind bei mir gefühlt einfach nur Schwärze und Schwere. Und danach hatte mich die Welt vergessen. Überhaupt war die Welt anders geworden. Alle Musiker-Kolleginnen klagten, dass die Auftragslage sich nur langsam erholte.
Aber in mir brannte noch die gleiche Leidenschaft, der gleiche Wille. Wenn man Künstlerin ist, muss man Kunst machen. Sie muss gelebt und in die Welt gebracht werden. Dieses Drängen ist so groß, dass ich das Gefühl habe, krank zu werden, wenn ich nicht schöpferisch tätig bn. Also machte ich weiter. Und weiter. Durch Phasen mit viel und wenig Energie. Durch Jahre, die alles von mir abverlangten, weil sie so viele Schicksalsschläge bereit hielten. Und durch Zeiten, die einfach so tief und magisch waren. Ich lernte und sang und malte weiter. Ich tauchte tief in die Anderswelt und spürte immer mehr, wohin der Weg geht.
Wie meine Entscheidung zur Selbständigkeit heute noch mein Leben beeinflusst
Würde ich diesen einen verrückten Schritt noch mal gehen? Auch wenn ich wüsste, was mich alles erwartet? Die Antwort ist ein: Jaaa! Ohne Zweifel.
Denn ohne Zweifel wäre ich sonst schon innerlich tot. Würde ich etwas anders machen? Na, vielleicht hätte ich mich schon früher besser strukturiert. Mich mit Zahlen, SEO und so nem Zeug zu beschäftigen gefällt mir nicht besonders; am liebsten würde ich den ganzen Tag nur meine Kunst und meine Beratungen machen. Aber es hilft doch ungemein, um einfach vom Fleck zu kommen!
Mein Leben ist zu bunt, zu magisch, als dass ich in einem Büro versauern könnte. Und ich weiß, dass da noch so viel in mir raus in die Welt will. Ich habe eine Mission: Botschafterin der Anderswelt zu sein. Meine Musik und Geschichten zu weben. Bücher darüber zu schreiben, Kunst dazu zu machen. Manchmal habe ich das Gefühl, mein Leben fängt jetzt erst an.
Ich bin jeden Tag dankbar, damals diese Entscheidung getroffen zu haben!
Jetzt bin ich gespannt: Hast du auch einen Vorher-Nachher-Moment? Erzähle ihn gerne in den Kommentaren!






Liebe Carina, ich verstehe Dichcso gut. Den Job zum Broterwerb habe ich so lange gemacht, um die Kindheit und das Studium meiner Tichter zu finanzierenn und natürlich meknen Lebensunterhalt. Jetzt erst entdecke ich meine Kreativität und die Liebe zur Natur im Garten. Daher war Dein Schritt mutig und richtig, aber das ist auch im Alter noch möglich. Liebe Grüsse Anja